– XIV –

Friedland

"Großer Gott, wir loben Dich, HERR wir preisen Deine Stärke.
Vor Dir neigt die Erde sich und bewundert Deine Werke.
Wie Du warst vor aller Zeit, so bleibst Du in Ewigkeit."
[¹]

Friedland, keinen schön'ren Namen könnte man dir, Städtchen geben,
die du tausenden von Menschen wardst ein Tor zu neuem Leben.
Tausenden gequälten Herzen, die durch Not und Leid gebeugt
wurde hier zum ersten Male wieder Leib' und Fried' gezeigt.
_ _ _ _ _
Endlos zieht ein Strom von Menschen westwärts seine Strasse lang,
grau, zerissen ihre Kleidung, langsam, müde ist ihr Gang.
Tot und leer sind ihre Augen, die Gesichter abgezehrt,
denn das Sonnenlicht der Freiheit hatten sie zu lang entbehrt.

Viele Jahre floh'n vorüber seit der Krieg sein Ende fand,
'mählich kehrten Ruh' und Frieden wieder ein in deutsches Land.
Jene Männer hofften lange auf den Tag der Wiederkehr
in die Heimat, doch beim Warten schwand die Hoffnung mehr und mehr.

Doch jetzt sind sie an der Grenze, zu gewaltig scheint das Glück.
Langsam hebt sich auf der Schlagbaum, niemand schauet mehr zurück.
Dort im Rücken wohnt das Grauen, das sie lang genug erschreckt,
und der Tod hat manchen Bruder in ein ärmlich Grab gestreckt.

Nun grüßt sie hier neues Leben. Hilfreich streckt sich manche Hand
diesen Heimkehrern entgegen: "Seid gegrüßt im Heimatland!"
"Ja, die Heimat Euch erwartet, habt gelitten nun genug,
nie hat sie Euch je vergessen, doch auch sie trug schwer genug.

Manche alte, liebe Stätte, die uns einstmals heilig war
ist vernichtet, ist verschwunden, aber eins bleibt immerdar.
Einer ist's, der uns will helfen überwinden alle Not,
Jesus Christus, unser Heiland, unser Herr und unser Gott.

Er hat uns noch nie verlassen, steht auch heut an unsrer Seit',
wie er war zu allen Zeiten, so bleibt er in Ewigkeit."
Und aus übervollen Herzen brausend klingt's dem Herren Dank.
Neue Kraft erfüllt die Männer bei dem hohen Lobgesang:

"Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen,
der große Dinge tut an uns und allen Enden,
der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an
unzählig viel zugut und noch jetzt und getan."

Feucht wird manches Mannes Auge, das nie Tränen hat gekannt,
das so vieles Grauenvolle hat gesehn in Feindesland.
Manches Herze wird erweichet, das verhärtet sich zu Stein,
und ein Strahl von wahrer Sonne leuchtet in ihr Herz hinein.

Fester werden ihre Blicke, hoffnungsvoll und frei ihr Sinn,
und sie schaun in neuem Glauben zu dem ew'gen Herren hin.
Preisen still die große Gnade, die an ihnen sich erfüllt,
daß sie wieder schauen dürfen heute froh der Heimat Bild.
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Friedland, wahrer Ort des Friedens in dem weiten deutschen Land,
hier, in einer hehren Stunde, manches Herz zum Herren fand.
Gott, der HERR, mög weiter segnen, was an Liebe dort geschieht.
Einst hat dort auch mir geklungen jenes heil'ge Ruhmeslied:

"Alles, was Dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen
stimmen Dir ein Loblied an. Alle Engel, die Dir dienen,
rufen Dir stets ohne Ruh "heilig, heilig, heilig" zu."
[¹]

Johannes Thiel - Mai 1949


[¹] Auszüge aus „Großer Gott, wir loben dich“, verfasst von Ignaz Franz 1771