– II –

Johannes Thiel
Lerchenstr. 32
- Wildenloh -
26188 Edewecht

Wildenloh, den 29.2.96

Einleitung


Dieses Jahr 1996 ist wieder ein Schaltjahr und heute ist der Tag, der für ein Schaltjahr karakteristisch ist, der 29. Februar. Als Kinder haben wir oft gedacht: "wie gut, daß wir nicht am 29. Februar geboren worden sind, dann hätten wir nur alle 4 Jahre Geburtstag und würden auch nur alle vier Jahre Geburtstagsgeschenke bekommen; die armen Kinder, denen das passiert."

Jetzt bin ich im 75. Lebensjahr und habe ganz andere Sorgen, sofern ich über solche nachdenken will. Wenn man mit 70 Jahren das erste biblische Alter erreicht und nun schon um einige weitere Jahre überschritten hat, gehen die Gedanken in ganz andere Richtungen. Man denkt darüber nach, was einem das Leben alles gebracht hat. Hat es sich gelohnt? - Oder ist es nur Mühe und Arbeit gewesen, wie es in der Bibelübersetzung Dr. Martin Luthers heißt? Genau übersetzt heißt es in Psalm 90 Vers 10: "Unser Leben währet 70 Jahre, und wenn´s hoch kommt, so sind´s 80 Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon." Dieser Psalm ist ein Gebet des großen Gottesmannes Mose. Und wer sonst, wenn nicht er, der 120 Jahre alt werden durfte, ehe ihn der ewige Gott zu sich rief, kann solche Worte aussprechen? - 40 Jahre erzogen als Prinz des Pharao in Ägypten, 40 Jahre lang als Flüchtling Schafhirt im Lande Midian, - erst die Nachkommen der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, dem Gott den Namen Israel (Übersetzt: mit Gott gekämpft und gesiegt) verlieh, aus der Versklavung in Ägypten heraus über nochmals 40 Jahre durch die Wüste Sinai in das gelobte Land Kanaan zu führen.

Hat sich mein Leben für mich gelohnt? - Als Kind in der Nazi-Zeit aufgewachsen, dann 8 Jahre Krieg und russische Gefangenschaft. Danach ein völliger Neuanfang mit nichts als lediglich meinem alten Konfirmandenanzug - der nicht einmal mehr passte - als einzigem Besitz. Nach jahrelangem Leben hinter Stacheldraht und ständiger Bewachung von bewaffneten Wächtern, zeitweilig schlechter als das Vieh behandelt, mußte ich wieder vollkommen von vorn lernen, was es heißt, ein freier Mann zu sein ohne tägliche Befehle und fortgesetzte Weisungen wieder selbst zu entscheiden, wie ich mein Leben zu führen habe.

Ja, mein Leben hat sich gelohnt. Nicht aus dem Grunde, daß ich z.B. als einziger von fünf Schulfreunden den Krieg überlebt habe, Das ist nicht mein Verdienst. Auch nicht, weil ich eine - menschlich betrachtet - gute berufliche Kariere gemacht habe. Auch nicht, weil ich mit meiner Frau, für die ich meinem Gott sehr dankbar bin, wunderbare Zeiten erlebt habe und nicht wenige der schönsten Stellen von Gottes herrlicher Schöpfung bewundern durfte. - Es hat sich für mich gelohnt, weil ich Gott in meinem Leben in vielfältiger Weise kennen lernen und seine Bewahrung und Hilfe in so vielen Fällen erfahren durfte. Auch durfte ich selbst anderen Mitmenschen über einen längeren Zeitraum Helfer und Beistand in einer Weise werden, die ich ohne seine Kraft und ständige Nähe auf die Dauer nicht hätte durchhalten können.

Wenn ich darüber nachdenke, möchte ich nicht mehr aufhören, Gott und Jesus Christus für die wunderbare Führungen in meinem Leben zu danken. Ich bin - vor allem von einer lieben Freundin unserer Familie, Frau Dr. G[Name.entfernt] J[Name.entfernt] in Oldenburg schon oft ermuntert worden, meine persönlichen Erlebnisse aufzuschreiben. Ich wollte es aber nicht. Immer wieder mußte ich die Erfahrung machen, daß Menschen, denen ich davon erzählte, in der Absicht, sie für den lebendigen Gott zu erwärmen und ihnen Jesus Christus als Retter für jeden Menschen, also auch für sie, begreifbar zu machen, in letzter Konsequenz doch nicht wollten. Oft hörte ich nur die Antwort: "das sind doch alles nur Zufälle; du hast bestensfalls Glück gehabt." - Alles nur Zufall? Es war tatsächlich "Zufall", aber nicht so, wie meine Gesprächspartner es verstanden. Es war zwar nicht mein Verdienst, aber es sind Geschenke Gottes gewesen, mir "von Gott zugefallen."

Ich wollte nicht schreiben - bisher nicht. Aber jetzt habe ich mich entschlossen es doch zu tun. Weithin ist Gott für die Menschen ein "alter Hut" geworden, so sagte einmal einer meiner Neffen zu mir. Sein ganzes Leben scheint darauf ausgrichtet zu sein, möglichst viel Geld zu schaffen, als sei "Besitz" das Wichtigste im Leben. Aber er ist nicht der Einzige, der so denkt. Es scheint fast, als sei dies heute das normale Ziel für die Menschen geworden. Da spielt der Partner, der Ehegatte überhaupt keine Rolle mehr. Sich "selbstverwirklichen", so heißt dieses Ziel. Und dieses Ziel wird von der Masse der Medien, der Politiker und der Umwelt als neues Lebensziel und als neue Ersatzreligion gepredigt, nachdem der "alte Hut" keine Chance mehr hat und als lästig abgelegt wurde.

Wenn ich nun meine Erlebnisse doch aufschreibe, tue ich es um meiner Enkel willen in der Hoffnung, daß sie sie einmal lesen werden und begreifen, daß es nirgends einen größeren Helfer und eine größere Sicherheit in den Wirren und Geschehnissen dieser Welt gibt, - auch nicht für sie, - als nur Jesus Christus, der auch der Retter von jedem Einzelnen von ihnen sein möchte.. Er möge es sein für die Kinder meines Sohnes: J[Name.entfernt] D[Name.entfernt], J[Name.entfernt] M[Name.entfernt], M[Name.entfernt] I[Name.entfernt] und Jann Aiko und ebenfalls für die beiden Jungen meiner Tochter: F[Name.entfernt] und F[Name.entfernt]. Für sie schreibe ich.

Noch eins: Den letzten Anstoß zu meinem Entschluß gab mir die Predigt vom letzten Sonntag, dem 25.2.96 unseres Pastors F[Name.entfernt] T[Name.entfernt] von der Evgl.Freik.Gemeinde in Jeddeloh. Er sprach über Matthäus 28, Verse 18-20, darüber, was unsere Aufgabe als an Jesus Christus gläubige Christen sei: "das Evangelium zu verkünden und Menschen zu Jesus Christus zu rufen. Wir sollen die Erfahrungen, die wir mit Jesus Christus gemacht haben nicht verschweigen sondern was wir mit IHM erlebt und erfahren haben, das soll für andere sichtbar und erlebbar werden."

Ich bete und bitte den Herrn darum, daß er meine Enkel segnen und mit der Kraft seines Geistes erfüllen möge, daß sie ihn erfahren und ihr ganzes Leben ihm übergeben mögen. Etwas Größeres vermag ich ihnen nicht zu wünschen.

Der Herr sei gelobt!